Nordeuropäische Stromstrategien

Alle(s) unter Strom

Dobbeltisolert plugg 230 V. Til Strøm ombord artikkel, landstrøm marina 1-2004 / Redningsselskapet/ https://www.flickr.com/photos/[email protected]/7514027246

Aus allen nordischen Ländern hört man von Menschen, die nachts um 3 Uhr duschen gehen und Winterjacken in der Wohnung tragen, um Geld zu sparen. Grund dafür sind die rekordhohen Strompreise, die einige das letzte Hemd kosten. Das konnte die norwegische Regierung nicht mitansehen und beschloss, einen Teil der Stromkosten ihrer Bürger zu übernehmen. Wie die anderen nordischen Ländern damit umgehen, lest ihr hier.

Von Janina Wildermuth und Danijela Jelen

Das Wetter macht den Preis. Ist es kalt und trocken, kann man nicht viel Strom durch Wind- oder Wasserkraft gewinnen. Aber auch Importabkommen beeinflussen, wie teuer eine Waschladung am Tage sein kann.

Norwegen

Norwegens Regierung reagiert als erste mit finanzieller Unterstützung für alle norwegischen Haushalte. Am 11. Dezember 2021 gab Staatsminister Jonas Gahr Støre bekannt, gut die Hälfte aller Stromrechnungen zu bezahlen, wenn der Preis die 70 øre/kWh-Grenze überschreitet. Ab diesem Monat werden in dem Falle sogar 80% der Stromrechnung durch den Staat bezahlt. Diese Unterstützung soll bis März gelten. Dafür stellt die Regierung knapp 9 Milliarden Kronen zur Verfügung. Das ist nur eine der Maßnahmen, die Norwegen gegen die hohen Strompreise ergriffen hat. Zuvor gab es eine Erhöhung des Wohngelds und Senkung der Stromsteuer. Kritik hagelt es trotzdem. Denn die staatliche Unterstützung überhalb der 70 øre basiert nur auf einem Durchschnittspreis. Besonders teuer ist der Strom morgens und nachmittags. Und weil zu diesen Zeiten der meiste Strom verbraucht wird, liegt der Zuschuss faktisch meistens nicht mehr bei 80%, sondern bei 15-25%.

"Olkiluoto nuclear power plant" by maol, https://www.flickr.com/photos/[email protected]/9075304027

Finnland

Auch in Finnland schossen die Strompreise in die Höhe. Das Land beschließt aber keine finanziellen Maßnahmen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bleibt der Strompreis zzgl. Steuern in Finnland immerhin auf einem moderaten Niveau. Stattdessen wurde am 21. Dezember 2021 das dritte Atomkraftwerk Olkiluoto 3 in Betrieb genommen. Wenig verwunderlich also, dass das Land die Pläne der EU-Kommission begrüßt, Atomenergie als grün einzustufen.

Finnland ist von Atomkraft und deren Funktionalität so überzeugt, wie von ihrer Sicherheit. Während also Deutschland seine Atomkraftwerke bis Ende 2022 abschalten will, geht Finnland einen anderen Kurs. Das Kraftwerk soll die Stromproduktion im Land um 14% anheben. Auch die Windenergie ist ein wachsender Sektor in Finnland, sodass künftig Stromimporte sinken könnten.
Ob das Gründe sind, weshalb die Regierung bisher keinen Anschein macht, die steigenden Strompreise für den Konsumenten zu regulieren? Die hohen und stark schwankenden Strompreise haben bereits jetzt erhebliche Auswirkungen und führen beispielsweise dazu, dass viele Stromanbieter in Finnland keine Langzeitverträge mehr ausstellen können.

Schweden

In den schwedischen Medien ist die politische Debatte um die Stromkrise recht besorgt. Es sollen einige Menschen sogar Bankkredite aufgenommen haben, um ihre Stromrechnungen bezahlen zu können. Einige denken, die Entscheidung das Atomkraftwerk in Ringhals niederzulegen, war falsch und begünstige die aktuelle Stromkrise. Andererseits zeigen Fälle wie Frankreich, dass Atomkraft an sich nicht ausreicht, um hohe Strompreise zu verhindern. Die bezahlen mehr als Schweden, heißt es vom ehemaligen Energieminister der Übergangsregierung Anders Ygeman. Erste Maßnahmen wurden am 21. Januar von der Regierung beschlossen: Eine davon wird einen Teil der Stromrechnungen einiger BürgerInnen übernehmen und stellt dafür 6 Milliarden schwedische Kronen zur Verfügung. Ab spätestens Februar sollen Haushalte 100 Kronen bekommen, wenn der Monatsverbrauch 700kw/h überschreitet. Verbraucht man über 2000kw/h, soll die Unterstützung bei 2000 Kronen liegen.

Nach einem Zurückkehren zu den alten Preisen sieht es derzeit nicht aus. Stattdessen werden wir uns an die hohen Preise gewöhnen müssen. Welchen Effekt die „Strompreiskrise“ auf die zukünftigen Investitionen in Stromkraftanlagen hat, werden wir sehen.



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